Frosty Nights – von wegen stille Nacht, heilige Nacht

Das Horrorgenre und mich verbindet eine jahrzehntelange Hassliebe. Bereits in einem meiner letzten Beiträge habe ich von meiner großen Liebe, dem Mysterygenre, erzählt und welche Bedeutung dieses für mein Leben hat.

Mystery bedient sich großzügig einiger Elemente aus dem Horrorbereich und so ist es wohl wenig verwunderlich, dass ich eigentlich ein Fan auch dieses besagten Genres bin. Eigentlich deshalb, weil es nur ein klitzekleines Problem gibt, das mich davon abhält, mich dem manchmal mehr, manchmal weniger subtilen Grusel hinzugeben: Horror macht mich furchtbar paranoid. Oh, und ganz nebenbei bin ich auch noch unsäglich schreckhaft. Also sind es wohl eher zwei klitzekleine Probleme.

Doch wie überkomme ich meine Ängste am besten? Genau, indem ich mich ihnen stelle.

Moment. Was?! Nein, nein, nein. Das… das ist ein Tippfehler, richtig? Ich spiele keine Horrorspiele. Ist mir egal, wie harmlos die sind, ich bin doch nicht wahnsinnig! Ich werde an einem Herzinfarkt sterben! STERBEN, sagte ich!

Oh. Mein. Gott.

Frosty Nights ist ein First-Person Horrorspiel von Barry McCabe aus dem Hause Clockwork Wolf, die auch schon für Boogeyman aus dem Jahr 2015 verantwortlich zeichneten.

Das Spielprinzip ist wie im vorgenannten Titel auch in Frosty Nights relativ schnell erläutert: Es geht darum, in einem Raum eine vorbestimmte Zeit (eine Nacht lang) zu überleben, ausgestattet nur mit einer Taschenlampe mit unnatürlich kurzer Lebensdauer und – in diesem speziellen Fall – einem Fön. Wer hätte gedacht, dass Haartrockner nicht nur als ausgezeichnete Mordwerkzeuge in Badezimmern, sondern auch als Lebensretter in Kinderzimmern fungieren können (obwohl sie streng genommen in diesem Fall auch Mordwerkzeug sind – aber es war Notwehr, ich schwör’s!).

Dabei fängt alles so harmlos an. In der idyllischen Schneelandschaft hinter dem Haus baue ich in der Abenddämmerung einen freundlichen Schneemann mit Karottennase, Baumwollschal und Zylinder, während die bunte Lichterkette am Haus Festtagsatmosphäre verbreitet.

Dann wird es Nacht und ich finde mich in meinem Kinderzimmer wieder, wo ich fünf Kassetten einsammle und auf einem altmodischen Rekorder auf dem Schreibtisch abspiele. Sie erzählen eine weihnachtliche Geschichte, die – sagen wir es mal so – ziemlich schnell finstere Züge annimmt. Und plötzlich wirkt der Schneemann, den ich noch vor ein paar Stunden im Garten gebaut habe und nun durch mein Fenster beobachten kann, alles andere als freundlich und vertrauenswürdig.

Nachdem ich Haartrockner und Taschenlampe zu einem Multifunktionstool zusammengeklebt habe, geht es an die eigentliche Aufgabe: Die Nacht überleben. Denn böse Schneemänner trachten nach meinem Leben. Ich sitze also auf meinem Bett, Taschenlampenfön fest umklammert und lausche auf jedes verdächtige Geräusch, während ich mich gleichzeitig immer wieder umschaue. Von wo wird er kommen? Durch eines der Fenster, die sich plötzlich wie von Geisterhand öffnen? Durch die Tür meines Kinderzimmers, die durch einen schmalen Spalt das Licht vom Flur hineinlässt? Aus meinem Wandschrank, der Heimat sämtlicher Kindheitsalbtraumgestalten?

Von wo und wann auch immer er zuschlagen wird, ich bin bereit. Sage ich mir jedenfalls. Die Wahrheit sieht anders aus: Als ich das Knarren der Wandschranktür zu meiner Linken höre und mich herumdrehe, ist der Schneemann schon so nah, dass ich mich erschrecke, obwohl ich doch glaube, vorbereitet zu sein. In meiner Panik vergesse ich glatt, was ich eigentlich tun muss und knipse erst einmal völlig sinnlos die Taschenlampe an. Oh, naja, wenigstens kann ich ihn nun noch besser sehen. Gut gemacht, denke ich mir und klopfe mir innerlich auf die Schulter, während mir das Mistvieh ins Gesicht springt.

Ich beginne zu ahnen, welches Schicksal mich in einer Zombie-Apokalypse ereilen würde und bin froh zu wissen, dass Zombies nur erfundene Gestalten aus Horrorgeschichten sind.

So schnell gebe ich aber nicht auf und starte das Unterfangen von Neuem. Tatsächlich schaffe ich es, die Nacht zu überleben und bin froh, den furchtbaren Weihnachtsmannwecker trällern zu hören und süßes, lebensrettendes, sicheres Tageslicht durch die Fenster fallen zu sehen. Es ist geschafft. Ich lebe noch. Preiset die Sonne! (Moment, das gehörte irgendwo anders hin…)

Doch zu früh gefreut. Es war erst die erste Nacht. Weitere folgen und jede birgt mehr von diesen horrorlichen Schneegestalten. Ich habe den Tod nicht besiegt, ich habe ihn lediglich hinausgezögert. Nun ja. Shit happens.

Am Ende besinne ich mich auf die positiven Dinge, die dieser kurze Ausflug in die Welt des (zugegeben recht milden) Horrors mit sich gebracht hat:

  1. Ich habe nur ein einziges Mal einen halben Herzinfarkt bekommen.
  2. Der Grusel hat sich nach relativ kurzer Zeit weitestgehend gelegt, spannend (und – nicht zu fassen, dass ich das sage – irgendwie spaßig) blieb es trotzdem.
  3. Jumpscares sind Arschlöcher, aber immer noch besser als subtiler Psychohorror.

Frosty Nights ist ein nettes Spiel zum Zeitvertreib. Kann mensch spielen, muss sie*er natürlich nicht. Wer auf diese Art von Horrorspielen steht, findet sicherlich Gefallen daran. Ich fürchte allerdings, dass Five Nights at Freddy’s und seine gefühlten 100 Nachfolger diese Sorte Spiel ein wenig überstrapaziert haben.

Nichts desto trotz ist die Geschichte um die mordlüsternen Schneemänner nett erzählt und die schaurig-schöne Atmosphäre des Spiels äußerst gelungen. Weihnachten und Horror haben halt schon immer eine gute Kombination ergeben (wie zahlreiche Filme, Bücher und Videospiele beweisen).

Ich habe den Start in das Horrorgenre geschafft; man könnte gar sagen: Ich habe Blut geleckt. Die sadistische Stimme in meinem Kopf flüstert mir zu, dass ich mich nun weiter vorwagen sollte, um meine Angst zu besiegen (oder mich ihr hinzugeben – als ob ich diese tiefgreifende Angst jemals besiegen könnten, ha!).

Immerhin hat mich Frosty Nights nicht paranoid gemacht. Das ist ein Anfang, schätze ich. Ich meine, draußen schneit es und irgendjemand hat einen Schneemann im Garagenhof gebaut und ich finde das nicht im Geringsten beunruhigend oder – … hat sich der Schneemann gerade bewegt?!

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