Der Ton macht die Musik – unvergessliche Videospielsoundtracks meiner Kindheit

Wenn ich über Videospiele spreche – gerade die aus meiner Kindheit oder Jugendzeit – dann gelange ich oftmals ins Schwärmen darüber, wie sie Teile meiner Identität geprägt haben durch die Geschichten, die sie erzählt, die Bilder, die sie gezeigt, die Emotionen, die sie in mir ausgelöst haben.

Worüber ich seltener spreche – und das ist in gewisser Weise beinahe paradox – ist die Tatsache, dass ein Großteil der Emotionen nicht nur an den Bildern und Storys hängt, sondern auch und manchmal gar vor allem an der Musik. Paradox deshalb, weil ich mir dieser Tatsache so selten wirklich bewusst bin, obwohl die Soundtracks meiner Jugend- und Kindheitsspiele in meinem Kopf stets präsent sind, sobald ich an diese Spiele denke.

Deshalb ist mein heutiger Beitrag einzig und allein den Kompositionen gewidmet, die ich jederzeit wiedererkennen würde, die manchmal ungefragt und aus heiterem Himmel in meinem Kopf herumgeistern und die mich immer in eine längst vergangene aber niemals vergessene Zeit zurückversetzen.

Nun besitze ich kein großes musikalisches Fachwissen oder Talent – ich bin froh, dass ich Noten lesen und „Alle meine Entchen“ auf dem Keyboard klimpern kann – aber ich finde, das sollte weder mich noch sonst wen davon abhalten, darüber zu sprechen, was Musik in uns auslöst. Und auch, wenn ich das „Warum“ selten bis gar nicht umschreiben kann, möchte ich euch die musikalischen Werke der Videospielgeschichte, die mich geprägt haben, nicht vorenthalten.

Was war zuerst: das Huhn oder das Ei?

Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle (okay, nicht wirklich, genau genommen habe ich sie mir heute zum aller ersten Mal gestellt) ist dabei folgende: Hat mein Musikgeschmack eigentlich Einfluss darauf gehabt, welche Spielesoundtracks ich gut fand (und teilweise heute noch gut finde) oder hat die Musik bestimmter Videospiele vielmehr meinen Musikgeschmack geprägt? Zugegeben, das ist eine sehr philosophische (und bisweilen unnütze) Frage und sicherlich liegt die Wahrheit hier wie bei so vielen Dingen irgendwo in der Mitte.

Zweifelsohne aber spielen Emotionen in beiden Fällen eine große Rolle. Musik kann uns zum Lachen oder Weinen bringen, uns nostalgisch stimmen, deprimieren oder für einen Augenblick unbesiegbar wägen. Sie hebt uns in andere Sphären oder schmettert uns mit aller Macht zu Boden. Und wie auch bei Videospielen hat Musik meist für jeden Menschen ihre individuelle Bedeutung und löst bei verschiedenen Personen verschiedene Emotionen aus.

Ich habe eine kurze (unvollständige und recht willkürliche) Auflistung einiger Videospielsoundtracks (oder spezieller noch: einzelner Songs aus Soundtracks) zusammen gestellt, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind – sei es, weil sie schlichtweg Lieder mit einprägsamer Melodie sind („catchy“ sagt man im Neudeutschen glaube ich dazu) oder weil sie emotional etwas in mir ausgelöst haben oder noch immer auslösen.


Lotus III – The Ultimate Challenge (Intro)

Ich bin bestimmt nicht die einzige, die ein Videospiel schon einmal nur aus einem einzigen Grund gestartet hat, der in keinster Weise damit zu tun hatte, das gestartete Game tatsächlich zu spielen. Ich sage nicht, dass Lotus III (oder einer seiner Vorgänger, die ich – um ehrlich zu sein – nie gespielt habe) kein gutes Spiel gewesen wäre. Es war ein solides Rennspiel. Also, das war es bestimmt. Ich habe es auch öfter als einmal gespielt, aber erinnere ich mich an etwas Herausragendes aus diesem Spiel von 1992?

Ähm, aber hallo! Das Intro [externer Link] war der Knaller! Also, nicht was es zu sehen gab, das war äußerst unspektakulär; aber der fetzige Sound ging mir direkt ins Ohr und alles, was ich wollte, war mich hinter das Lenkrad zu klemmen und mit 300 Sachen über eine Rennstrecke zu pesen!

Komponiert wurde das gute Stück (und der Rest des Soundtracks) von Patrick Phelan, der später unter anderem als Audio Director für zum Beispiel Little Big Planet 3 und Forza Horizion 2 agierte.


Command & Conquer – Alarmstufe Rot (Hell March)

In früheren Zeiten war ich ein (un)ausgesprochener Echtzeit-Strategiespiel-Fan und Command & Conquer: Alarmstufe Rot war eines der ersten Games dieses Genres, mit dem ich mich befasste (zeitlich höchstens noch geschlagen von Warcraft: Orcs & Humans, aber in meiner Erinnerung liegen alle diese Spiele so dicht beieinander, dass ich unmöglich sagen kann, welches ich tatsächlich zuerst gespielt habe).

Alarmstufe Rot aus dem Jahr 1996 genießt aus diversen Gründen bis heute einen sehr hohen Stellenwert in meiner Videospiel-Historie und einer davon ist zweifelsohne der gelungene Soundtrack. Beeindruckendstes Beispiel ist hierbei der Hell March [externer Link], der sich gleich zu Beginn des Spiels an das (in der deutschen Version durch Beschnitt der Szene vage und äußerst ominös anmutende) Live Action Intro anschließt. In der deutschen Fassung des Liedes wurden die namensgebenden Marschgeräusche zwar entfernt, das hat dem Effekt im Grunde aber keinen Abbruch getan.

Frank Klepacki komponierte diesen kraftvollen Sound und die Songs für den Rest der C&C-Reihe davor und danach. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass der Hell March einer meiner persönlichen Favoriten aller Zeiten ist, was Videospielsoundtracks betrifft.


Ski Or Die (Snowboard Halfpipe)

Es ist eines dieser Spiele, die ich bis zum Erbrechen gespielt habe (nein, nicht wortwörtlich) und die auch heute noch diesen kompetitiven Drang in mir auslösen, meine eigenen Bestzeiten und Punkte zu schlagen. Schneller, höher, weiter! Die Wahrheit ist, ich war nie besonders gut in Ski Or Die, das 1990 erschien. Aber das hielt mich nicht davon ab, es zu versuchen! Eine meiner Lieblingsherausforderungen war die Snowboard Halfpipe [externer Link], in der ich vermutlich die meiste Zeit verbracht habe. Was zwangsläufig bedeutete, dass der dazugehörige Song auch derjenige war, der mich am längsten begleitet hat.

Das Lied hat sich in mein Gehirn eingebrannt und selbst, wenn ich wollte, würde ich es wohl nicht mehr loswerden. Will ich aber gar nicht. Man sollte meinen, die Tonhöhe würde jede*n irgendwann in den Wahnsinn treiben, aber seltsamerweise hat Rob Hubbard (nicht zu verwechseln mit dem Scientology-Begründer L. Ron Hubbard) es irgendwie geschafft, einen Sound zu kreieren, der mich selbst nach Stunden noch mit all meinen Sinnen zurücklässt. Also, glaube ich. (Wenn ich so darüber nachdenke, hat es mich vermutlich doch in den Wahnsinn getrieben und das ist der Grund dafür, dass es in dieser Liste auftaucht.)


The Legend of Zelda – Ocarina of Time (Windmill Hut / Hymne des Sturms)

Ach, Ocarina of Time, meine Kindheits-Nemesis. Wenn man mich fragt eines der großartigsten Spiele aller Zeiten und zugleich Quell unendlicher Frustration in etlichen (Mini-)Bosskämpfen (ja, ich meine dich, Schatten-Link!). Immer wieder gerne erzähle ich die Anekdote, wie es mich sieben lange Jahre meines Lebens kostete, dieses Spiel zu meistern und wie ich am Ende – nach wer weiß wie vielen Versuchen – Ganondorf mit mehr Glück als Verstand und nur noch einem Herzen im letzten Atemzug vor dem ultimativen Rage-Quit mit einer beherzten Rolle vorwärts und einem verzweifelten Schwerthieb endgültig zu Fall brachte (mein Bruder kann diese irre Geschichte bezeugen, er war live dabei).

Ocarina of Time steckt voller großartiger Lieder, aber der Song, der es mir am meisten angetan hat und den ich jedes Mal für unbestimmte Zeit nicht mehr aus dem Kopf bekomme, ist dieses gleichzeitig mysteriös, fröhlich, melancholisch und irgendwie wahnsinnig wirkende Stück, das mir konsequent in Kakarikos Windmühle [externer Link] um die Ohren geschleudert wird.

Und wer zeichnet verantwortlich für dieses Lied (und viele der übrigen wunderbaren Lieder aus „The Legend of Zelda“-Spielen)? Niemand geringeres als Koji Kondo. Ja, ganz genau, der Mann, der das Super Mario Bros. Theme komponiert hat. Mehr brauche ich dazu wohl nicht zu sagen.


Die Liste ist wie bereits eingangs erwähnt unvollständig und auch ein Stück weit willkürlich. Natürlich gibt es noch jede Menge anderer Songs, die mich begleitet haben, aber ihnen allen einen Absatz zu widmen, würde definitiv den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

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